Internationale Vermögensstrukturen und grenzüberschreitende Nachlassfälle rücken seit einigen Jahren zunehmend in den Fokus der Finanzverwaltungen. Durch die fortschreitende Globalisierung verfügen viele Privatpersonen über Immobilien, Kapitalanlagen oder Unternehmensbeteiligungen in mehreren Staaten. Gleichzeitig leben Erben und Familienmitglieder häufig in unterschiedlichen Ländern. Diese Entwicklungen führen dazu, dass Erbfälle immer häufiger steuerliche Anknüpfungspunkte in mehreren Staaten aufweisen.
Auch die Finanzverwaltungen reagieren auf diese Entwicklung. Durch internationale Kooperationen, den automatischen Informationsaustausch zwischen Staaten sowie die zunehmende Digitalisierung steuerlicher Verfahren werden grenzüberschreitende Vermögensstrukturen deutlich transparenter. Insbesondere Informationen über ausländische Bankkonten, Wertpapierdepots und Beteiligungen werden heute regelmäßig zwischen Steuerbehörden ausgetauscht. Gleichzeitig haben viele Staaten ihre steuerlichen Regelungen im Bereich der internationalen Vermögensnachfolge verschärft und die Zusammenarbeit der Behörden intensiviert.
Für Steuerpflichtige bedeutet dies, dass internationale Nachlassfälle zunehmend komplexer werden. Unterschiedliche nationale Steuersysteme, divergierende Bewertungsmaßstäbe und mehrere gleichzeitig bestehende Steueransprüche können zu erheblichen steuerlichen Belastungen führen. Die zutreffende steuerliche Einordnung hängt dabei maßgeblich von Faktoren wie Wohnsitz, Staatsangehörigkeit und der Belegenheit einzelner Vermögensgegenstände ab. Die zentralen deutschen Regelungen finden sich im Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz (ErbStG).
Gerade bei Vermögen mit Auslandsbezug kommt einer frühzeitigen steuerlichen und rechtlichen Planung besondere Bedeutung zu. Ohne eine sorgfältige Strukturierung können erhebliche steuerliche Mehrbelastungen entstehen, etwa wenn mehrere Staaten gleichzeitig eine Besteuerung vornehmen oder steuerliche Begünstigungen ungenutzt bleiben.
Auch im Rahmen der Nachlassabwicklung entstehen regelmäßig umfangreiche steuerliche Verpflichtungen. Neben der Abgabe von Erbschaftsteuererklärungen müssen häufig internationale Sachverhalte aufgearbeitet, Vermögenswerte bewertet und steuerliche Fragen in mehreren Jurisdiktionen geklärt werden. Fehlerhafte oder unvollständige Angaben können zu langwierigen Verfahren mit den Finanzbehörden führen.