Wer muss eine Einkommensteuererklärung abgeben?

Gemäß § 56 EStDV ist für das abgelaufene Kalenderjahr eine Steuererklärung beim Finanzamt einzureichen, soweit ledige Personen nicht nur Einkünfte aus einem Angestelltenverhältnis erzielen oder soweit bei verheirateten Personen eine Person nicht nur Einkünfte aus einem Angestelltenverhältnis erzielt. Weiterhin haben Personen eine Einkommensteuererklärung einzureichen, soweit andere Steuerklassen als die Steuerklasse I (bei ledigen Personen) oder die Steuerklassen IV/IV (bei verheirateten Personen) vorliegen.

Eine Steuererklärung ist außerdem abzugeben, wenn zum Schluss des vorangegangenen Kalenderjahres ein verbleibender Verlustvortrag festgestellt worden ist.

Ab welchem Einkommen fallen Steuern an? Wie hoch ist der Steuerfreibetrag?

Soweit das zu versteuernde Einkommen den sog. Grundfreibetrag i. H. v. EUR 8.820,00 (gilt für 2017) übersteigt, fallen Steuern an. Bei Ehegatten, die zusammen eine Steuererklärung einreichen, verdoppelt sich der Grundfreibetrag auf EUR 17.640,00.

Bis wann muss eine Steuererklärung abgegeben werden?

Für die Kalenderjahre 2016 und 2017 gilt noch, dass eine Steuererklärung grundsätzlich bis zum 31.05. des nachfolgenden Kalenderjahres abgegeben werden muss. Die Frist verlängert sich bei der Inanspruchnahme eines Steuerberaters bis zum 31.12.

Ab dem Kalenderjahr 2018 können die Steuererklärungen erstmals bis zum 31.07. des nachfolgenden Jahres eingereicht werden. Soweit ein Steuerberater in Anspruch genommen wird, verlängert sich die Frist bis zum 28.02. des darauf folgenden Jahres.

Wofür werden die Steuerklassen benötigt?

Die Steuerklassen bestimmen den Lohnsteuerabzug bei Arbeitnehmern und dienen somit der Vorauszahlung auf die Einkommensteuer. Zur besseren Berechnung erfolgt die Einteilung in unterschiedliche Steuerklassen. Bei nicht angestellten Personen haben die Steuerklassen keine Bedeutung. Hier erfolgt die Leistung von Vorauszahlungen durch Anpassung von Vorauszahlungen durch das Finanzamt.

Welche Steuerklassen gibt es?

Für die Durchführung des Lohnsteuerabzugs werden Arbeitnehmer in Steuerklassen eingereiht. Die Einteilung erfolgt grundsätzlich wie folgt:

  1. 1. In die Steuerklasse I gehören Arbeitnehmer, die ledig sind.
  2. 2. In die Steuerklasse II gehören die unter Nummer 1 bezeichneten Arbeitnehmer, wenn bei ihnen der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende zu berücksichtigen ist.
  3. 3. In die Steuerklasse III gehören Arbeitnehmer, die verheiratet sind, wenn beide Ehegatten nicht dauernd getrennt leben und
    • a. der Ehegatte des Arbeitnehmers keinen Arbeitslohn bezieht oder
    • b. der Ehegatte des Arbeitnehmers auf Antrag beider Ehegatten in die Steuerklasse V eingereiht wird.
  4. 4. In die Steuerklasse IV gehören Arbeitnehmer, die verheiratet sind, wenn beide Ehegatten nicht dauernd getrennt leben und der Ehegatte des Arbeitnehmers ebenfalls Arbeitslohn bezieht.
  5. 5. In die Steuerklasse V gehören die unter Nummer 4 bezeichneten Arbeitnehmer, wenn der Ehegatte des Arbeitnehmers auf Antrag beider Ehegatten in die Steuerklasse III eingereiht wird.
  6. 6. Die Steuerklasse VI gilt bei Arbeitnehmern, die nebeneinander von mehreren Arbeitgebern Arbeitslohn beziehen, für die Einbehaltung der Lohnsteuer vom Arbeitslohn aus dem zweiten und einem weiteren Dienstverhältnis.

Wie kann die Steuerklasse gewechselt werden?

Der Steuerklassenwechsel kann beim Finanzamt beantragt werden. Die hierfür erforderlichen Formulare gibt es unter https://www.formulare-bfinv.de/.

Wann muss die Steuerklasse gewechselt werden?

Soweit sich die oben bezeichneten Kriterien für die Einstufung in die Steuerklassen geändert haben, kann ein Wechsel sinnvoll sein. Die Steuerklassen können grundsätzlich nur einmal im Jahr gewechselt werden und zwar spätestens bis zum 30. November des betreffenden Jahres. Ein Wechsel der Steuerklassen ist ein weiteres Mal nur möglich, soweit ein Ehegatte keinen Arbeitslohn mehr bezieht, ein Ehegatte nach Arbeitslosigkeit wieder ein Arbeitsverhältnis aufnimmt, die Eheleute sich dauernd getrennt haben oder die eheliche Gemeinschaft nach Trennung wieder aufnehmen oder ein Ehegatte verstorben ist. Nach der Heirat werden die Ehegatten - sofern sich beide im Angestelltenverhältnis befinden - automatisch in die Steuerklasse IV eingeteilt. Ein Antrag ist demnach nur zu stellen, sofern die Steuerklassen III und V gewünscht werden.

Was bedeutet ELSTAM?

ELSTAM steht für Elektronische Lohnsteuerabzugsmerkmale und hat ab dem Jahr 2013 die Lohnsteuerkarte ersetzt. Die Daten kann ein Arbeitgeber für seinen Arbeitnehmer elektronisch einsehen. Durch die elektronische Übertragung der Daten kann das Lohnsteuerabzugsverfahren in den Unternehmen vereinfacht werden. Zu den ELStAM gehören: Steuerklasse, Kirchensteuermerkmal, Kirchensteuermerkmal des Ehepartners / Lebenspartners, Zahl der Kinderfreibeträge, Frei- und Hinzurechnungsbetrag.

Wozu benötige ich meine Identifikationsnummer?

Die Identifikationsnummer erhält jede in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtige Person (Person mit Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland). Die Nummer wird bereits bei Geburt eines Kindes vergeben und wird u. a. bei der Auszahlung des Kindergeldes sowie bei dem ELSTAM-Verfahren benötigt. Über die Identifikationsnummer werden u. a. die Lohnsteuerbescheinigungen sowie die Versicherungsbeiträge an die Finanzverwaltung elektronisch übertragen, so dass das Besteuerungsverfahren vereinfacht wird. Die Identifikationsnummer bleibt ein Leben lang gültig. Auch bei einem Umzug oder bei der Heirat verändert sich die Nummer nicht. Die Identifikationsnummer ist 11-stellig und enthält keine persönlichen Informationen über Sie (wie z. B. Geburtsdatum).

Wo finde ich meine Identifikationsnummer?

Die Identifikationsnummer wird Ihnen bei Geburt durch das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) mitgeteilt. In der Regel finden Sie Ihre Identifikationsnummer auch auf der ersten Seite oben links in Ihrem Einkommensteuerbescheid oder auf Ihrer Lohnsteuerbescheinigung.

Was ist der Unterschied zwischen einer Steuernummer und einer Identifikationsnummer?

Neben der Identifikationsnummer vergibt das Finanzamt bei Abgabe einer Steuererklärung oder Aufnahme einer unternehmerischen Tätigkeit auch eine Steuernummer. Die Steuernummer dient allein der internen Erfassung und Zuordnung Ihrer Daten bei Ihrem zuständigen Finanzamt. Soweit Sie heiraten oder umziehen, kann es bei einem Finanzamtswechsel oder bei dem Wechsel der internen Zuständigkeit beim Finanzamt zu einer Änderung der Steuernummer kommen. Auch können mehrere Steuernummern vergeben werden (soweit mehrere Betriebe geführt werden).

Welches Finanzamt ist für mich zuständig?

Bei der Einkommensteuer richtet sich die Zuständigkeit grundsätzlich nach dem Finanzamtsbezirk, in dem Sie wohnen. Soweit auch Einkünfte aus einer freiberuflichen, selbständigen oder gewerblichen Tätigkeit erzielt werden, ist das Finanzamt für diese Tätigkeit zuständig, in dessen Bezirk der Betriebssitz liegt.

Wie ist eine Änderung eines Steuerbescheides möglich?

Hier müssen zwei Fälle unterschieden werden:

  • Soweit die Rechtsbehelfsfrist von einem Monat nach Bekanntgabe des Steuerbescheides noch nicht abgelaufen ist, kann gegen den Bescheid schriftlich Einspruch eingelegt werden. Mit dem Einspruch kann die strittige Steuer auf Antrag auch ausgesetzt werden, so dass eine Zahlung zunächst nicht erfolgen muss. Durch die Einlegung des Einspruchs wird der gesamte Steuerfall wieder offen.
  • Wenn die Rechtsbehelfsfrist bereits abgelaufen ist, kann eine Änderung nur erfolgen, soweit eine Änderungsvorschrift Anwendung findet. Auch eine Änderung von Seiten des Finanzamts kann nach Erlass eines Steuerbescheides nur unter Anwendung einer Änderungsvorschrift erfolgen.

Wann muss ich Vorauszahlungen leisten?

Soweit das Finanzamt mit einem Bescheid Vorauszahlungen für Sie festgesetzt hat, sind Vorauszahlungen zur Einkommensteuer und zur Körperschaftsteuer jeweils am 10. März, 10. Juni, 10. September und 10. Dezember eines Jahres an das Finanzamt zu leisten.

Bei der Gewerbesteuer werden die Vorauszahlungen jeweils am 15. Februar, 15. Mai, 15. August und 15. November eines Jahres fällig.

Soweit sich die Einkommensverhältnisse in der Zukunft ändern, können die Vorauszahlungen auf Antrag beim Finanzamt angepasst werden.

Wie lange dauert die Bearbeitungszeit meiner Steuererklärung im Finanzamt?

Die Bearbeitungszeit beim Finanzamt kann leider nicht genau bestimmt werden. Grundsätzlich erfolgt die Bearbeitung nach Eingangsdatum der Erklärungen. Die durchschnittliche Bearbeitungszeit liegt zwischen zwei und sieben Monaten.

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Ansprechpartner
Bastian Ruge LL.M.

Bastian Ruge LL.M.

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